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Der Digitale Produktpass kommt. Machen Sie daraus einen Vorteil für Ihr Unternehmen.

  Von Alessandro Grizzetti, Head of Digital Business, SMC Switzerland

 

JULI 2026
 

Zwei zentrale Entwicklungen verändern die Industrie in Europa: eine neue verbindliche Verordnung und ein neuer Industriestandard. Beide werden beeinflussen, wie Produkte künftig entwickelt, hergestellt, verkauft und gewartet werden.

Für Erstausrüster bedeutet das konkreten Handlungsbedarf. Für Maschinenbauer und Anwender von Automatisierungstechnik eröffnet sich zugleich die Chance, Transparenz, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit gezielt zu stärken.

Worum geht es konkret? Um zwei Entwicklungen mit großer Wirkung: den Digitalen Produktpass, kurz DPP, als Bestandteil der EU-Verordnung für nachhaltige Produkte, und die Asset Administration Shell, kurz AAS, als industriellen Standard für digitale Zwillinge und Industrie 4.0.

Beide Themen mögen zunächst unabhängig voneinander erscheinen. In der Praxis greifen sie jedoch eng ineinander. Zusammen treiben sie den Übergang zu einer transparenteren, vernetzten und datengetriebenen Industrie voran.

Damit stellt sich nicht mehr die Frage, ob die Digitalisierung kommt. Entscheidend ist, ob Sie bereit sind, daraus einen Vorteil zu machen.

Vom Papier zur digitalen Intelligenz
Der Digitale Produktpass gibt Produkten eine maschinenlesbare digitale Identität für den europäischen Markt. Er macht zentrale Informationen verfügbar, etwa zu Materialien, Umweltauswirkungen und Recycling am Ende des Lebenszyklus.

Damit müssen Produktdaten nicht mehr aus verschiedenen Systemen und Dokumenten zusammengesucht werden. Sie stehen strukturiert, digital und automatisiert bereit und können direkt in Kundensysteme einfließen. Das beschleunigt Reports, schafft mehr Transparenz und erleichtert die Erfüllung regulatorischer Anforderungen.

Für Hersteller stellt sich damit eine entscheidende Frage: Wie lassen sich große Mengen an Produktdaten weltweit konsistent verwalten und bereitstellen? Hier kommt die Asset Administration Shell ins Spiel.

Einheitliche Informationsquelle
Die Herausforderung von Industrie 4.0 besteht nicht darin, Daten zu sammeln. Es geht darum, Daten so bereitzustellen, dass alle Beteiligten sie verstehen und nutzen können. Unterschiedliche Lieferanten, Softwareplattformen und Datenformate erschweren heute oft den durchgängigen Informationsfluss entlang der Wertschöpfungskette.

Genau hier setzt die Asset Administration Shell an. Der von der Industrial Digital Twin Association, kurz IDTA, entwickelte Standard bildet Assets digital und einheitlich ab, vom Ventil über den Antrieb bis hin zur Maschine oder Anlage. Über maschinenlesbare Formate wie JSON oder XML entsteht ein gemeinsamer Rahmen für die industrielle Datenkommunikation.

So strukturierte Daten lassen sich einfacher zwischen Lieferanten, Maschinenbauern und Endanwendern austauschen. Zugleich schaffen sie die Grundlage, um Digitale Produktpässe effizient, konsistent und skalierbar zu erstellen. Die AAS wird damit zu einem zentralen Wegbereiter für den Digitalen Produktpass in der industriellen Praxis.

Globales Engagement
Auch wenn DPP und AAS ihren Ursprung in Europa haben, ist ihre Bedeutung längst global. Sie verändern, wie Produktinformationen künftig erstellt, verwaltet und entlang internationaler Lieferketten ausgetauscht werden.

SMC betrachtet Digitalisierung daher als weltweite strategische Aufgabe. Das Unternehmen überträgt die Prinzipien von Digitalem Produktpass und Asset Administration Shell Schritt für Schritt auf sein Produktportfolio und seine Geschäftsprozesse. Bei mehr als 700.000 Produktvarianten geht es dabei um weit mehr als regulatorische Anforderungen: Es geht um eine neue Qualität im Umgang mit Produktdaten.

Mit dem Projekt SmartAssets zeigt SMC, wie dieser Wandel in der Praxis Gestalt annimmt. Gemeinsam mit der ZHAW und weiteren spezialisierten Partnern arbeitet SMC an standardisierten digitalen Repräsentationen industrieller Komponenten. Die Verbindung von AAS und DPP soll Effizienz, Interoperabilität, Transparenz und Rückverfolgbarkeit entlang der Wertschöpfungskette verbessern.

Für Kunden entsteht daraus ein klarer Mehrwert: weniger manuelle Prozesse, weniger Datenfehler und eine einfachere Integration in bestehende ERP-Systeme.

Die Einhaltung der Vorschriften ist erst der Anfang
Compliance ist wichtig. Der größere Nutzen entsteht jedoch dort, wo Unternehmen verfügbare Daten gezielt einsetzen. SMC sieht im Digitalen Produktpass deshalb nicht nur eine regulatorische Aufgabe, sondern eine Chance, Kunden im industriellen Alltag spürbar zu entlasten. Vier konkrete Anwendungsfälle zeigen, wie das gelingen kann.

Der DPP-Anwendungsfall von SMC macht deutlich: Digitale Produktdaten können manuelle Verwaltungsprozesse reduzieren, die Datenqualität verbessern und den Informationsfluss entlang der Lieferkette vereinfachen. Unternehmen müssen weniger Zeit in die Suche und Pflege von Daten investieren und können sich stärker darauf konzentrieren, diese Daten wertschöpfend zu nutzen.

So verbindet SMC Automatisierungskompetenz mit digitalen Services. Das Ergebnis sind Lösungen, die über die reine Produktlieferung hinausgehen und Kunden dabei unterstützen, Prozesse effizienter zu gestalten, Datenfehler zu vermeiden und Anlagen langfristig besser zu verwalten.

CO₂-Fußabdruck auf Produktebene verstehen
Digitalisierung macht Nachhaltigkeit messbarer. Der SMC-Anwendungsfall zur Berechnung des CO₂-Fußabdrucks nutzt einen Bottom-up-Ansatz und bündelt Daten entlang der Wertschöpfungskette, von Rohstoffen bis zum Transport. Je mehr valide Informationen verfügbar sind, desto präziser wird die Berechnung der Umweltauswirkungen.

So entsteht mehr Transparenz über CO₂-Emissionen auf Produktebene. Unternehmen können relevante Nachhaltigkeitsdaten einfacher nutzen, fundierter berichten und sich besser auf künftige Anforderungen vorbereiten.

Fehler schneller erkennen und beheben
Digitale Zwillinge können Instandhaltung und technischen Support deutlich effizienter machen. Der SMC-Anwendungsfall „Dr. Chiller“ verbindet mobile Konnektivität, Augmented Reality, digitale Anlageninformationen und weitere Datenquellen. So erhalten Bediener direkten Zugriff auf relevante Dokumentationen, Live-Betriebsdaten und unterstützende Informationen zur Fehlerbehebung.

Das erleichtert die Diagnose, verkürzt Reaktionszeiten und hilft, ungeplante Stillstände zu reduzieren. Endanwender können genau dann auf die benötigten Support-Informationen zugreifen, wenn sie im Betrieb gebraucht werden.

Frühe Warnzeichen
Der vierte Anwendungsfall von SMC widmet sich der Anomalieerkennung. Das System nutzt maschinelles Lernen, um das normale Betriebsverhalten einer Maschine zu erfassen und kontinuierlich mit aktuellen Betriebsdaten abzugleichen. Erkennt das System ungewöhnliche Abweichungen, erhalten Anwender frühzeitig entsprechende Hinweise.

So lassen sich potenzielle Probleme erkennen, bevor sie zu ungeplanten Stillständen führen. Für Unternehmen ist das ein praxisnaher Einstieg in die vorausschauende Instandhaltung: wirtschaftlich umsetzbar, datenbasiert und mit klarem Nutzen für Zuverlässigkeit, Maschinenverfügbarkeit und Betriebsleistung.

Kombiniert mit der Produktzuverlässigkeit und Automatisierungskompetenz von SMC eröffnet dieser Ansatz weitere Möglichkeiten, Anlagen effizienter zu betreiben und die Verfügbarkeit langfristig zu sichern.

Praktische Digitalisierung
Der Digitale Produktpass beschreibt, welche Informationen künftig benötigt werden. Die Asset Administration Shell bietet den passenden Rahmen, um diese Informationen strukturiert nutzbar zu machen. Entscheidend ist jedoch die praktische Umsetzung im industriellen Alltag.

SMC unterstützt Maschinenbauer und Endanwender seit Jahrzehnten mit Automatisierungslösungen, Anwendungs-Know-how und technischer Beratung. Diese Erfahrung bringt SMC auch in die Digitalisierung ein. Ziel ist es nicht nur, konforme Produkte bereitzustellen, sondern Kunden dabei zu unterstützen, digitale Daten einfacher in ihre Prozesse zu integrieren und daraus messbaren Nutzen zu gewinnen.

Denn die Fertigung der Zukunft wird vernetzter, datenbasierter und transparenter. Digitale Produktpässe und digitale Zwillinge sind zentrale Bestandteile dieser Entwicklung. Mit der richtigen Unterstützung wird Digitalisierung mehr als Compliance: Sie wird zum Hebel für Effizienz, Wettbewerbsfähigkeit und Fortschritt.

Von Alessandro Grizzetti | Leiter Digital Business, SMC Schweiz

Alessandro verbindet Data-Science-Kompetenz mit mehr als 25 Jahren internationaler Erfahrung in Vertrieb, Marketing und Geschäftsentwicklung. Seine Expertise umfasst digitale Zwillinge, datengetriebene Fertigung, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz in der Industrie.

In seiner heutigen Rolle entwickelt er digitale Geschäftsmodelle für Industrie 4.0 und engagiert sich für Zukunftsthemen wie den Digital Product Passport und ESG-Optimierung. Damit unterstützt er Unternehmen dabei, digitale Technologien in konkrete Mehrwerte zu übersetzen: für mehr Innovation, operative Exzellenz und nachhaltiges Wachstum.

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